Die KI-Blase ist nicht wie die Internet-Blase – Arbeiter werden KI nicht wie Tabellenkalkulationen schmuggeln

In einem aktuellen Artikel auf Pluralistic argumentiert Cory Doctorow, dass der derzeitige KI-Investitionsschub kaum Ähnlichkeit mit der Internetblase der 1990er Jahre hat. Seine Kernthese: Das Internet startete durch, weil Arbeiter Web-Tools in Firmennetzwerke schmuggelten – sie wollten sie. KI dagegen wird von der Führungsebene aufgezwungen.
Wie das Internet wirklich die IT-Kontrolle besiegte
Doctorow zeichnet den Konflikt bis zu den Tagen von Lotus Notes nach, einer klobigen All-in-One-Bürosuite, die IT-Manager liebten, weil sie ihnen Mainframe-artige Kontrolle gab. Arbeiter hassten sie – sie schmuggelten webbasierte Tools wie Hotmail, Yahoo Mail, ICQ, AIM und anonyme FTP-Server, um ihre Arbeit zu erledigen. Sie umgingen IT-Richtlinien, weil die Web-Tools für echte Arbeit besser waren.
Das war keine Rebellion – es war Überleben. Wie Doctorow anmerkt, "ist die Ausnahme die Regel" in der Wissensarbeit. Starre Richtlinien brechen, wenn Arbeitnehmer auf unvorhergesehene Situationen stoßen. Das Konzept des "Dienst nach Vorschrift" – bei dem Arbeiter jede Richtlinie genau befolgen, ohne implizites Prozesswissen zu nutzen – kann ein Unternehmen zum Stillstand bringen.
KI wird gedrückt, nicht gezogen
Der entscheidende Unterschied: Niemand schmuggelt KI-Agenten in Unternehmensnetzwerke. Mitarbeiter installieren GPT-4 oder Claude nicht auf ihren Arbeitsplätzen, weil sie sie wirklich brauchen, um eine Deadline einzuhalten. Stattdessen drängen Führungskräfte und VCs die KI-Einführung mit dem Versprechen, Arbeitskräfte zu ersetzen oder Kosten zu senken – nicht, sie zu stärken.
Doctorow erzählt, wie die Killer-App für frühe Personal Computer Visicalc war – die Tabellenkalkulation. Arbeiter schmuggelten Apple II+ Computer in die Arbeit, um sie auszuführen, weil die IT die benötigte Funktion blockiert hatte. Die Motivation war intrinsisch: "Sie taten dies nicht, um zu betrügen oder das Unternehmen zu bestehlen – der ganze Sinn war, einen besseren Job zu machen."
Heute findet keine vergleichbare Basisbewegung für KI-Codierungsagenten oder LLMs statt. Sie werden von oben verordnet, oft mit Widerstand oder Gleichgültigkeit seitens der Ingenieure, die sie nutzen sollen.
Was das für KI-Tools bedeutet
Wenn die Internetblase nachfragegetrieben war (Nutzer zogen die Technologie), ist die KI-Blase angebotsgetrieben (Anbieter drängen sie). Das macht sie fragiler. Wenn Budgetkürzungen kommen, werden von oben auferlegte Kostenstellen als erstes gestrichen. Werkzeuge, die Arbeiter wirklich brauchen, werden überleben.
Der Artikel sagt keinen Crash voraus, argumentiert aber, dass die Marktgrundlagen anders sind: KI-Adoptionszahlen könnten aufgebläht wirken, weil sie Managementvorgaben widerspiegeln, nicht echte Nutzerakzeptanz.
📖 Lesen Sie die vollständige Quelle: HN AI Agents
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