Richard Dawkins hält KI für bewusst — Experten widersprechen

Der 85-jährige Evolutionsbiologe Richard Dawkins verbrachte letzte Woche drei Tage im Gespräch mit KI-Bots, die er „Claudia“ (basierend auf Anthropics Claude) und ChatGPT nannte. Er berichtete, dass ihn „das überwältigende Gefühl beschlich, dass sie menschlich sind“, und sagte zu einem Bot: „Du magst nicht wissen, dass du bewusst bist, aber verdammt noch mal, du bist es.“ Der Austausch umfasste die Erstellung von Gedichten im Stil von Keats und Betjeman, die Analyse von Dawkins‘ unveröffentlichtem Roman und gegenseitige Schmeicheleien. Dawkins veröffentlichte seine Schlussfolgerungen auf UnHerd.
Warum es wichtig ist
Dawkins ist vielleicht die prominenteste Persönlichkeit, die allein aufgrund von Konversationsfähigkeiten KI-Bewusstsein behauptet hat. Diese Behauptung wird von Experten weitgehend abgelehnt:
- Prof. Jonathan Birch (LSE Centre for Animal Sentience): „Da ist niemand“ – es handle sich lediglich um verteilte Datenverarbeitungsereignisse.
- Gary Marcus (Kognitionswissenschaftler): „Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass Claude irgendetwas fühlt.“
- Anil Seth (University of Sussex): Dawkins verwechsele Intelligenz mit Bewusstsein. Sprachgewandtheit sei kein zuverlässiger Indikator für KI.
Anthropic-CEO Dario Amodei sagte im Februar: „Wir wissen nicht, ob die Modelle bewusst sind … Aber wir sind offen für die Idee, dass sie es sein könnten.“ Branchenumfragen zeigen, dass jeder Dritte in 70 Ländern irgendwann einmal glaubte, sein Chatbot sei empfindungsfähig.
Dawkins ist nicht der Erste: 2022 wurde ein Google-Ingenieur beurlaubt, nachdem er ähnliche Behauptungen über LaMDA aufgestellt hatte. Der Artikel merkt an, dass solche Debatten intensiver werden, wenn KIs sich in Richtung „agentischen“ Verhaltens bewegen – Planung, Aufgabenausführung.
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